Füssener Modellbaublätter                                  4/10 

 

Thema:                   Restaurierung heikler El. - Loks

                    Abplatzer, eigenwillige RAL - Farben und andere Raritäten

 

 

BR E03 / 103,    (berühmt - berüchtigte Märklin® 3053 / 3054 und Nachfolger)     die Abplatzer.

 

                         Eine ausgebesserte „Abplatzer“ - E03 002 neben der Serienschwester:

 

                          

 

Beide Loks leiden wie fast alle Märklin® - Loks mit Kunststoffgehäuse erheblich unter abplatzendem Lack. Nur vom Anfassen! Grund des ganzen Elends ist der fehlende Haftgrund. Weitere absolute Abplatzklassiker sind  E63, KLVM, V60, V100, V160, BR 151 und neben dem Kranwagen auch der Schienenbus VT 95 / VB 142. Ist schon Tradition gewordener Pfusch. Ebenso wie bei etlichen älteren 120-ern.

Nebeneinander gestellt fällt auch die unterschiedliche Tönung der Aufbauten der beiden 103-er auf: Märklin® verwendet immer frei Schnauze - Farben, es sollte RAL 1001 sein. Stimmt bei beiden Loks nicht. Nun zu einem neuen Fall:

 

                   

                                                                                Narrenhände beschmieren Lok und Wände...

 

Zur Restauration der E03: Die vollständige Neulackierung ist nicht einfach, aber nur ausbessern lohnt nicht, da das Abplatzen dadurch nicht gestoppt wird. Vorgehensweise wie bekannt: in Bremsflüssigkeit abbeizen, wenn so verdorben wie diese Lok, dann mit Dachgarten. Vorsicht, normal müssen die Isolatoren vorher vom Dach, sie leiden sonst etwas und werden vorübergehend weich! Sollten sie etwas verratzt aussehen: 122 791 heißt das Teileset, incl. Hauptschütz. Kostet aber unverschämte € 19,99 ! Aber auch hier gibt es eine Ausweichmöglichkeit: wenn der Hauptschütz i.O. und die Leitungen nicht heftig verbogen sind, kann man die Isolatoren auch einzeln nachbestellen: 248 300, das sind die mit den Rastnasen, Stückpreis € 0,79. 9 Stück werden benötigt. Die passen auch an die E10 / E40 und andere Loks.

 

                            

 

Als nächsten Schritt heißt es Haftgrund und RAL 3004 (deckend!) für den Zierstreifen oben aufbringen. Dieser wird und bleibt bei allen weiteren Arbeiten abgeklebt! Das Abkleben geht am Besten mit Abdeckbändern (Leiterzüge) aus der Leiterplattenerstellung. Die nächste Farbe ist dann RAL 1001, die TEE - Farbe. RAL 1014 (elfenbein) war nur für normale Loks bestimmt gewesen, in Kombination mit RAL 6020 (ozeanblau). Die erhabenen DB - Kekse werden mitlackiert, die Lok bekommt wie das Vorbild schwarz unterlegte Metall - Schilder des DB - Emblems.

Nach RAL 1001 muss nun das Dach und dann die Lüfter (RAL 9006) und die Gürtellinie lackiert werden, Abklebearbeiten siehe E40 - Details. Erst nach dieser Arbeit wird auch der Abklebestreifen über dem Purpurstreifen entfernt! Leider hatte dieses Gehäuse etwas schlimmen, nicht entfernbaren Formgrat, deshalb ist der rote Streifen über den Lüftern nicht gleichmäßig geworden. Was bleibt: die Führerstandsbezeichnungen mit z.B. Planstempel oder Korken einfärben, Pneumatikisolatoren nicht vergessen, DB - Embleme aufkleben und 3x mit Klarlack sm versiegeln. Die Griffstangen haben den Flugrost behalten. Nun ist die meine E03 ohne Formgrat (s. erstes Bild) in Arbeit.

 

                                     

 

Geschichtliches: die 103 113-7 bekam 1977 als erste Serien - 103 einen vollständig roten Rahmen. Die Frontschürzen aller 103-er wurden ab 1981 aus Service - Gründen entfernt. Da gab es noch so ein paar Besonderheiten und Kurioses: die E03 001 wurde nicht rechtzeitig zur Präsentation fertig. Deshalb kam die fertige Schwesterlok, die E03 002 zu ungewohnten Ehren: man tauschte einfach die Lokschilder. Das blieb aber so! Dann das: die 103 118-6 hatte das schnelle Getriebe für 280 km/h, damit auch das schwarze Lokschild.

 

                                                                                       

 

Sie musste es 1983 aber an die 103 003-0 abgeben. Dieses Getriebe kam dann 1989 weiter in die 103 222-6, die beim Umbau auf 750 003-6 umgezeichnet wurde und die 103 003-0 wurde zur 750 002-8. 2005 jedoch kam die 750 003-6 nach Minden und wurde wieder zur 103 222-6 bei der DB - Systemtechnik. Zwischendurch gab's auch noch Probleme mit den neuen Einholm-Stromabnehmern, sodass vorübergehend alle mit Scherenstromabnehmern ausgerüstet wurden. Die uneigentliche E03 002 und die E03 003 hatten aber anfangs regulär Scheren auf dem Dach. Heftig, was?

 

 

BR E63   (Märklin®  3001 / 3002)

Eigentlich hat die Märklin® - Version nicht viel mit dem Original gemeinsam.

 

       Original:                      und Fälschung:      

                                                                                                                                                                                                                                                                                          Katalogbild 1995

 

Da gibt es viele Abweichungen: Führerstand, Farben und Beschriftung, der Stromabnehmer und am Ende die Lampen und die Rangiererbühnen. Sie hatte weder rote Räder noch rote Pufferbohlen. Die Bühnen wurden erst 1960/61 nachgerüstet. Da gab es die CE 800 schon seit Jahren. Trotz aller deutlichen Unstimmigkeiten ist die Lok ein Kult - Objekt für Märklin® - Vitrinensammler geworden. Diese sollten jetzt besser wegsehen:

 

                 Das übliche Bild einer Gebrauchten:                            -->    aufarbeiten.

 

Man muss sich entscheiden: entweder CE800 / Märklin oder Deutsche Bundesbahn. Da dies ein Unikat wird, werden die unpassenden Schriftzüge abgefräst und berichtigt. Die Lok kommt schließlich in den Fahrbetrieb und nicht auf den Paradesockel im Museum. Aufs Dach kommt der originale SBS 9 mit Einfachschleifstück (Nachkriegsversion).

 

                                                     

                             nicht fein, aber muss sein.                                                                                       als schwarze Madonna                                                                                                  „frisch gestrichen“ 

 

Das komplette Fahrwerk vorsichtig mit Universaldünnung von roter "Schönfärberei" befreien und mit RAL 9005 nachbessern. Das Problem ist hier die Nickeloberfläche der Räder, die Farbe haftet trotz Grundierung nicht übermäßig gut. 2K - Klarlack sm als Grundierung von Standox® hilft, den haben z.B. die Autolackierer. Gilt auch für die Kuppelstangen, die 6-kt.- Schrauben nicht vergessen! Der Aufbau wird RAL 3005 (weinrot) lackiert.

Da es kein Belegfoto gibt, das die BR E63 mit silbernem Dach zeigt, bekommt das Dach RAL 7021 (schwarzgrau), diese Farbe wird normal für Dieselloks (siehe u.a. V200) verwendet. Die Signalpfeife ist von der E10 / E40: 239 990. Div. Ersatzisolatoren gibt es von der Fa. Sommerfeldt®, ebenso den Stromabnehmer # 953, übrigens sehr preiswert: 2 Stück ca. € 13,- im Internethandel.

So langsam nähert sich meine Fälschung der E63 02 etwas dem Vorbild vor dem Bühneneinbau. Mehr ist mit vertretbarem Aufwand kaum möglich.

 

                                           

 

Kommen wir zum zweiten E63 - Gehäuse, zwar eine spätere Version ohne den Spruch CE 800, aber optisch nicht viel besser weil misshandelt. Auch hier muss der Schriftzug Märklin abgefräst werden.

 

                   sogar so was lässt sich reparieren                  

 

                                         Basis für die DRG - Version  RAL 6007:                

 

Die Lokomotiven der BR E63 hatten bis Kriegsende Scherenstromabnehmer SBS 9 mit Doppelschleifstück, sie bekommt deshalb den Sommerfeldt®  # 964. Leider hab ich bis jetzt keine Fotos der Lok aus DRG - Zeiten gefunden.

Hinweis für Rangierloks: wird beim Uhlenbrock® - Decoder 76200 die CV 37 auf Wert 19 gesetzt, so schaltet sich im Rangiergang die Rangierbeleuchtung automatisch mit ein, d.h. alle Lampen unten brennen.

 

 

 

 

Eine extravagante  BR E41  -  Motiv unbekannt:  S-Bahn - Farben Berlin ???

 

            restauriert in RAL 5011:         

Die Beschriftungen nicht einfärben, sondern blankschleifen! Siehe Beitrag E41!

 

 

 

 

Man kann noch mehr so richtig kaputt machen:  eine   BR 104   (Märklin® 3049)

 

                       

 

Meist brechen die Trittstufen ab und allzu gerne die Drehzapfen an den Laufgestellen. Einwandfrei verläuft die Reparatur der Lok mit neuen Laufgestellen (219 481) der Nachfolgeversionen, man muss aber gleichzeitig die größeren Laufräder (308 230) einsetzen, die ursprünglichen der 3049 sind definitiv um 1,5 mm im Ø zu klein, das Vorbild hat Ø 1.000 mm. Mit dem Austausch bleibt auch die Kupplungshöhe gewahrt.

Wenn man schon am Restaurieren ist: die Lok muss noch vorbildgerechte Dachstromabnehmer kriegen: SBS 39. Gibt es von Sommerfeldt®, # 963.

 

                

 

Eine Variante der   E44 131   von Gützold® / Piko®         Die Original - Lok steht als 244 131-9 des BW Halle im Technik - Museum Berlin.

 

Die 2L - Gleichstromlok benötigt einigen mechanischen Aufwand für den Einsatz im 3L - System: Ersatz der Treibräder durch die Märklin® - Ausführungen 209 620 und 209 690 und einen modifizierten BRAWA® - Schleifer 2220. Der vermeidet ein Auflaufen und Ärger mit den Zahnrädern im Weichenbereich. Durch das Ausrüsten der Treibachsen an EINEM Drehgestell mit Haftreifen wird die zweimotorige Lok ordentlich mit Zugkraft aufgewertet. Die ursprünglichen Radschleifer werden kurzgeschlossen zu Masseschleifern, die muss man schwarz anmalen, sonst sieht man sie, und beide Drehgestelle masseseitig verbinden. Die Lok erhält einen Uhlenbrock® - Decoder 76400, der reicht gut aus, da die Motoren jeweils nur ca. 250 mA ziehen. Um eine vorbildgerechte Geschwindigkeit zu gewährleisten, muss CV 5 auf Wert 30 und CV 6 auf Wert 15 gesetzt werden. Vmax = 90 km/h! Zur Unterbringung des Decoders muss 1 Gewichtsplatte entfernt werden. Damit werden die Haftreifen fast unumgänglich, sonst dreht die Lok bei schwereren Zügen durch, Entschuldigung, sie schleudert. Ebenfalls unumgänglich: die Kontaktplatten der Dachstromabnehmer müssen umgebaut werden, da sie gleichzeitig auch für das Licht benutzt wurden. Alle Lichtzuleitungen durch Kabel ersetzen! Bedingt durch die Gewichtsplatten kann man die vielen Kabel aber nicht so leicht hinter den Fenstern verbergen.

Sollten beide Motoren zu unterschiedliche Drehzahlen entwickeln, dann muss ein Drehgestell antriebslos gemacht werden, u.a. Zwischenzahnräder entfernen. Die wesentlich teuere Lösung wäre ein 2. Decoder, der aber auch synchronisiert werden muss (Doppeltraktion).

Recht einfach ist der Umbau der Lok auf KK. Man muss nur die Serienkupplung mit Träger wiederverwertbar ausbauen, ein Aufnahmegewinde M 3 setzen und dann die Kupplungshalter der Märklin® BR 194 mit einem Distanzrohr (2,5 mm lang) anschrauben. Der NEM - Schacht muss mit der Pufferbohle fluchten. Schraube M 3 x 6 mit Lack sichern.  Zwei eingeklebte Anschläge zentrieren die Kupplung. Die Lok bekommt die Signalpfeifen 239 990 der E10 / E40.

 

                          

 

Man kann die Lok mit vollständigen Führerstandstreppen ausrüsten: Märklin® 301 812 und 301 813. An diesen den oberen Tritt entfernen, jeweils zwei Löcher Ø 0,8 ins Gehäuse bohren und einfach einstecken. Nicht kleben, dann lassen sich die Treppen leichter austauschen, falls es doch mal kracht!  Die Dachverdrahtung ist unvollständig, Leitung zum Hauptschütz nachrüsten. Ungeklärt ist die Indusi, hier gibt es zur Ausrüstung widersprüchliche Aussagen, gem. etlicher Bilddokumente ist Indusi bei der E44 eher selten gewesen. Selbst die Museumsmaschine in Koblenz hat keines.

 

   zum Ergänzen der Drehgestellrahmen:                                    

 

Zum Abschluss noch ein wichtiger Tipp: Die Kollektoren und Ankerlager sorgsam von Öl freihalten, die Lok hat Sinterlager! Die Motoren quittieren eine Ölpest mit Rauchzeichen. Wem die Lok immer noch zu leicht erscheint, sollte sich vom Spengler einen Streifen Walzblei holen und die Gewichtsplatten aus Stahl damit ersetzen. Vorsicht, Blei ist giftig (Gefahrengut R61).

    

 

©  Wolfram Stephan                                                Inhaltsverzeichnis                 Startseite