Füssener Modellbaublätter                                                                                           6/07   

 

Thema:                   man kommt sich näher -

                                           ältere Loks und Wagen kurzgekuppelt

 

Teil 2:  Wagenumbauten

 

Was im Vordergrund steht ist ein EC von Märklin® aus den 70er Jahren. Der Umbau auf das Roco®  - System machte Kummer, es gab viel am Drehgestell zu bearbeiten und zu entfernen. Aber das war machbar. Er fährt jetzt Balg an Balg. Eingesetzt wurden hier die Kurzkupplungen # 4486 bzw. 40219. Alles in allem erinnert es mich heute an eine Schnitzereiarbeit. Die Kupplung musste zwischen Drehgestell und Fahrzeugboden rein und das hieß, dass das Drehgestell flacher werden musste und der Drehzapfen schlanker. Dann Ablenkpunkte einkleben und die Rückholfeder montieren. Fräsen geht bei dieser Aktion sehr schlecht, weil sich das Material nicht gerade vorbildlich verhält, deswegen geht das alles nur mit dem „Skalpell“. Wenn Ihnen bei so alten Fahrzeugen was daneben geht, es gibt kaum noch Ersatzteile! Der Umbau geht aber auch etwas einfacher: mit dem Einbausatz 40344, siehe am Ende des Berichtes.

 

                      

 

Vor einem sei jedenfalls vorab eindringlich gewarnt: vergessen Sie bei solchen Machenschaften den Industrie-Kreis!  Am besten auch den Normalkreis 1!  Den sollte man wenn überhaupt sowieso nur im Tunnel anwenden, aber bitte nicht auf freier Strecke. Sieht recht komisch aus! Die in fast jedem Gleisplan nötigen Normalweichen sind schon schlimm genug. Denken Sie auch an die Oberleitung: die DB kann keine Fahrdrähte biegen!!! Also gönnen Sie sich etwas mehr Platz und dann ran an die größeren Radien.

 

Auf Gleis 4 rollt gerade etwas „Neues” an: 3 ältere Prefo® - Hechte, Büme Eilzugwagen der DR. Sehen gut aus, die Wagen aus Dresden, mit Inneneinrichtung und -beleuchtung! Sie sollen andere Faltenbälge bekommen. Hr. Friedrich vom PIKO® - Service sagt nach kurzer Maß - Klärung dass er helfen kann. Einige eingeschobene Faltenbälge werden durch ausgezogene ersetzt.

 

                                   

 

Die Teile von PIKO® sind nach nur 2! Tagen auf dem Tisch. So etwas hab ich noch nie erlebt: man hakt die ca. 20 Jahre alten Faltenbälge der Prefo® - Wagen aus, knipst an den neuen PIKO® - Bälgen 3 Nasen ab, feilt eine winzige Stufe in die Balggestänge, 3 Tropfen Sekundenkleber und das Teil sitzt wie angegossen! Die Wagen kuppeln jetzt nahezu Balg auf Balg! Das ist faszinierend:

 

                                           

                                        vorher                                                                                        nachher

 

Nun hat der Zug zwischen den Wagen ausgezogene Faltenbälge und an den Enden eingeschobene, so wie es sich gehört. Wer umgekehrt statt ausgezogener Faltenbälge eingeschobene braucht, kriegt sie u.a. auch bei Fleischmann®, die müssten ebenso passen (# 125630). Oder einfach absägen und glattfeilen. Jetzt kann ich die Kupplungen fast in Ruhe lassen, es muss nur der Entkupplungsstreifen gekürzt werden, sonst kracht es an der ersten Weiche am Mittelleiter. Man könnte eigentlich als Hersteller bei solchen Wagen gleich beide Varianten der Faltenbälge für eine Seite beilegen, das kostet dann ca. € 1,26 mehr und würde das Image heben. Aber das ist zu einfach. Die Ankupplung eines Aüme an den 2. Klasse - Zug ist nun gelungen, wieder Balg auf Balg.

 

 

Es gibt Kinematikbausätze, ich habe mir den 4305, einen Gklm von Roco® für die Nachrüstung mit dem Bastlersatz 40343 vorgeknöpft. Der Güterzug auf Gleis 1 wurde soweit nötig mit diesen Teilen nachgerüstet. Aber wie es auf dem Beipackzettel draufsteht, geht es natürlich nicht.

 

                                      

                                                                                                                        Teilansicht vom Beipackzettel

 

Als erstes sucht man die rot markierten Rippen. Es gibt sie nicht, denn die meinen die schraffierte Fläche. Auch das ist sehr ungenau markiert. Dann schraubt man die alten Kupplungen ab und alles fällt auseinander. Der Wagenboden sieht meistens so aus:

 

                          

Also ordentlich was freifräsen und so die Kinematik einpassen. Das Material wehrt sich wieder wie bei den Märklin®-Drehgestellen, aber ich bleibe Sieger. Das Maß zwischen Schienenkopf und Wagenboden ist 12,5 mm. So als Hinweis.

 

                          

 

Nun schnell entgraten und die Kinematik eingeklebt, damit man das Elend nicht sieht. Aber unbedingt die angegebenen Maße einhalten! Zusammenschrauben geht nicht mehr.  Da ist die Kupplungskinematik. Manchmal muss man auch bei kurzen Wagen bei den Laschen mit den Löchern die Schräge „beschneiden“, sonst sitzt der Radkranz fest. Siehe Foto.

 

 

                           

Und der Wagenkasten passt auch nicht mehr, er hat noch 2 Zapfen, die müssen weg. O.k. Jetzt führt der Wagenkasten ein Eigenleben.

 

                         

 

Lässt sich nur mit Sekundenkleber oder sonstigen Schnellklebern bändigen. Aber aufpassen, zentrieren! Hat geklappt. Sieht anständig aus.

 

                                       

 

Von diesen „Bastler - Kupplungseinbausätzen“ gibt es 2 Ausführungen, den 40343 für Fahrzeuge bis ca. 120 mm Länge und den 40344 für längere Wagen bis ca. 180 mm. Der Schwenkbereich der Kupplung ist dann größer.

Aber ohne kleine Fräsmaschine oder zumindest eine solide Tischbohrmaschine, die einen 12er Fingerfräser spannen kann, mit Kreuzsupport für den Maschinenschraubstock, geht es kaum, (so einen Kreuzsupport kriegt man z.B. im Internet ab ca. € 75,-), Minibohr- und Schleifmaschine oder ähnliches Werkzeug hilft da nicht vernünftig weiter. Ich hoffe Sie haben den Umgang mit Fräsmaschinen gelernt, sonst wird es sehr gefährlich. Vorschubrichtung beachten!!! Und unter solide verstehe ich so was:

 

                                       

                  

                  Vorsicht bei allen Arbeiten: Unfallgefahr!

 

Noch was: Die Puffer sind mit Bohle nur knapp 7 mm lang! Also die Kinematik um ca. 1 mm nach hinten versetzen! Der gesamte Zeitaufwand war gar nicht schlimm, so ca. 1 Stunde. Prototyp.

Nun auf in den Kampf, 8 ähnliche Wagen warten hier im AW Steinheim. Ein verregnetes Wochenende reizte dann zu Fronarbeit: Diese 8 Wagen umrüsten. Aber wenn man mal wie ich Arbeitsvorbereiter war geht das dann doch ruck zuck, in 2 ½ Stunden waren alle demontiert, vorgebohrt, freigefräst, die Kinematiken mit Sekundenkleber geheftet und wieder komplett montiert. Was etwas dauert ist das Aushärten vom Schnellkleber, denn der Sekundenkleber ist wirklich nur als Heftklebung gut. Es sind dann 11 Wagen geworden. Wenn man keinen Massenmurks hingelegt hat, dann dürften die umgerüsteten Wagen jetzt einen Pufferabstand von höchstens ca.1,5 mm haben. Wie die Serien - Wagen.

 

Mal sehen wie der Umbau mit Märklin® ausgeht, Kühlwagen # 4414. Ich glaub, das wird schon wieder ne echte Herausforderung!

Fängt schon bei den Puffern an. Die sind 8,8 mm lang. Dann hat er Achshalter, die müssen weg. Aber dann fällt die Achse raus.  Mal sehen, wie ich das gerade biegen kann.

 

                              

 

Der nächste wunde Punkt heißt Wagenboden. Ca. 0,5 mm zu tief, obwohl die Puffer gegen die eigene Rasse zu hoch sind. Auch 0,5 mm. Was ist das schon fragt da manch einer. Nun, 0,5 mm x 87 = 4,35 cm in Natura, Federweg beladen  ./. unbeladen? Oder nur Unachtsamkeit in der Konstruktion? Gehen wir von Letzterem aus.

Bitte sag jetzt ja keiner, es ist nur Spielzeug. Nicht bei dem Preis! Eine V 60 (260) kostete 1964 gerade mal DM 36,-. Heute dagegen ca. € 180,-. bis € 209,-! Geändert hat sich an der Lok kaum was, nur ein kleiner Chip ist hinzugekommen, viel Mechanik weggefallen, Materialpreis ca. 3 Schilling 50. Legen Sie mal die Steigerungsrate aufs Auto um! Das geht nicht gut aus. Siehe LGB®. Einige andere werden irgendwann folgen, die nächsten sind eigentlich längst bekannt, ist nur ne Frage der Zeit. Ich z.B. bin dabei, vorsorglich Verschleißteile zu bunkern. Dachstromabnehmer, Motorbürsten, Schleifer, Kardanwellen, Tauschachsen, Kupplungen, Puffer und all so'n Zeug eben.

Die Pufferbohle bei diesem Wagen muss mit ausgefräst werden. So kann die Kinematik ein Stück nach vorne um den Längenausgleich zu schaffen. Wenn man das ordentlich macht stört das im Zugverband eh nicht die Optik. Die Höhendifferenz bleibt natürlich, das ist schlimmer. Die Teile, die im Weg waren hab ich erstmal weggebohrt und abgezwickt. Dann muss man nicht so viel planfräsen. Wenn man schon dabei ist: die Bremsbacken sind eigentlich abriebbedingt blank. Also gleich mit anpinseln.

 

 

                                                              

 

Die nach unten offenen Radlager hab ich dann einfach mit einem kleinen Tropfen Schnellkleber zugemacht. Zuvor aber alles Öl sorgfältigst entfernen sonst klebt da nix. Da der Kleber aber dennoch die Rillen eigensinnig fast vollständig füllt, muss man das eigentliche Lager nach dem Aushärten nacharbeiten (von Hand ansenken, Zentrierbohrer Ø 2,5 mm). Der Wagenkasten wurde bei diesem Fahrzeug aufgeschnappt.  Das geht natürlich auch nicht mehr, denn die Rastnasen würden die Kupplungen blockieren. Aber abzwicken und kleben hilft auch hier. Jetzt ist er wieder auf Achse:

 

                

 

Sein Heimatbahnhof ist Bremerhaven, Bf. Kaiserhafen. Bis der bei uns im Allgäu ist müsste er eigentlich ganz schön schmuddelig aussehen. Ich glaub da muss ich auch noch was tun.

 

Noch was ganz Wichtiges: die Entkupplungsbögen der Kupplungsköpfe sollten beim 3 – Leitersystem generell raus. Alte Zapfen auch abzwicken. Sie könnten am Mittelleiter an den Weichen für Verwirrung sorgen, in dem sie öffnen. Für das Märklin® - Entkupplungsgleis taugen sie sowieso nichts. Da muss man dann die Universalkupplung 40352 einsetzen, dann geht das wieder. Aber die sieht nicht so gut aus wie die 40271. Und treibt die Fahrzeuge wieder um gut 1 mm auseinander.

 

Dieser Kupplungseinbausatz funktioniert auch bei den Nachkriegs - Blechchassis – Wagen von Märklin®, wenn man den Kupplungsbereich mit Hilfe einer 10er Schnittnadel sorgfältig planklopft. Aber ich glaube die Vitrine verträgt auch ein paar originale Museumsstücke wie die V 200 in Teil 1 aus dem Jahre 1958 oder diesen Blechzug mit einer Spielzeug-Lok:

 

                   

 

                       Er fuhr mal von Göppingen / Württemberg nach Bad Boll . Steht dran. Jetzt steht er rum.

  

     Und mir ist noch ein Lausbubenstück gelungen: diesen Kranwagen kurzkuppeln:

                     

                  

 

Der Hersteller sagte das geht nicht. Geht nicht gibt es aber nicht. Höchstens ich will nicht. Das zeigt Schwäche. Natürlich geht es! Dazu braucht man halt eine modifizierte Bügelkupplung, z.B. die vom 4303. Sie sieht erstmal so aus:

 

                               das wird dann draus:       

 

Dann muss man sie abzwicken, sie muss eine Zahnfüllung bekommen, eine neue Bohrung, ein wenig schlanker werden und ne Schräge kriegen, man kann sie so eleganter einfügen. Damit sind 5 mm Abstand weg, die daran gekuppelten Wagen, also der Kranschutzwagen und der Niederbordwagen mit dem Radlader brauchen aber eine Kinematik. Sonst klemmt es. Das mit der Zahnfüllung ist ernst gemeint: ich hab in einem Zahntechniklabor die Löcher am falschen Platz mit Zahnprothesenmasse füllen lassen und konnte so nun welche an der richtigen Stelle neu bohren. Der Chef des Labors sagte, das sei sein wichtigster Baustoff für die Modellbahn, 100 gr. kosten aber € 53,55. Es gibt das bekannte rosa und glasklar. Ich behalte das Zeug im Auge!

Was ich nicht habe sind z.B. ältere Fleischmann® - Wagen und die von weiteren anderen Herstellern. Somit kann ich also nicht probieren, was noch geht. Versuchen Sie es einfach mal und berichten Sie uns bitte! Wenn Sie die Kinematiken aus Salzburg kriegen!

Ich hab gerade wieder was im Internet ergattert, die Kupplungen 4499 (40222) für die Leipzig - Familie, Nachschub 40343 und auch die 40344 - Kinematik. Zwei weitere alte Märklin® - EC - Wagen sind mit dieser Kinematik fertig. 1:100 Wagen mit 27 cm Länge. Angeblich ist der Einbausatz 40344 nicht für Drehgestellwagen geeignet, die Behauptung lasse ich nicht gelten, der Schwenkbereich ist ausreichend, nun es gibt Ausnahmen: der Industriekreis für Grubenfahrzeuge. Man muss nur drauf achten, dass die Kupplungshöhe korrekt ist. Ggf. muss der höhenverstellbare Kupplungskopf 40287 verwendet werden.

 

                       

 

Allerdings mussten Drehgestelle und Wagenboden reichlich Federn lassen, es funktioniert prima, aber es ist nichts mehr rückbaubar. Wozu auch, bei Bedarf wird eine Bügel- oder Universalkupplung eingesteckt! Der Wagenaufbau muss nun anders befestigt werden: Inneneinrichtung am Aufbau festschrauben und dann unter den Drehgestellen eine neue Schraubverbindung zur Inneneinrichtung schaffen. Die Beleuchtungskonstruktion wird von all den Maßnahmen nicht betroffen.

 

Viel Spaß und Erfolg beim Werkeln an alten Wagen, die kurzgekuppelt nun wieder einen tollen Zug bilden.

 

 

                               ©  Klaus Stephan                                         Inhaltsverzeichnis                                   Startseite