Füssener Modellbaublätter                                                                 5/07   

 

Thema:                   man kommt sich näher -

                                             ältere Loks und Wagen kurzgekuppelt

 

Teil 1:  Lokumbauten             (Umbau auf NEM: siehe Ende des Berichtes)

Immer noch fahren auf vielen Modellanlagen Fahrzeuge, die nicht mal annähernd Puffer an Puffer laufen. Somit „zieren“ so etliche unnatürlich lange Haken viele etwas ältere Lokomotiven und Wagen. Bei großen Dampflokomotiven war eine einseitige Abhilfe relativ einfach, man eliminierte die vordere Kupplung. So war wenigstens vorne Platz für eine feine Originalnachbildung:

 

 

Nur konnte man halt nicht mehr rückwärts ziehen. Man sieht es aus dieser Perspektive nicht, der Tender ist mit Eigenbau - Kinematik auf die Lok kurzgekuppelt! Brachte 5 mm, meine BR 01 hat das auch, an der BR 38 muss ich noch ein wenig tüfteln.

Zurück zur normalen Modellbahnrealität: der Zug hing immer abartig weit von der Lok weg. Pufferabstand so ca. 15 …  20 mm! Ist nicht gerade das was vom Hocker reißt.

 

                       

                                                            Da war der ebenfalls uralte Schienenbus VT 95 / VB 142 von Märklin® schon eine echte Sensation.

   

Auch Fleischmann® konnte es 1980 noch nicht besser, aber zu dem Thema gibt es später noch ne Story:

 

                                              BR 50 058

 

Was noch auffällt sind die manchmal heftig unterschiedlichen Pufferhöhen zwischen den Modellen, als fehle ein festes Normmaß. Der Fehler tritt bei allen Herstellern, auch im eigenen Fuhrpark untereinander, auf. Auf absolut planer Strecke. Eigentlich unverständlich. Vgl. auch Bild vom 628.2 / 928.2 am Schluss des Berichtes.

 

 

                                                         

 

Die E94 (BR 194) von Märklin® vor einem ihrer klassischen Kohlezüge (hier einer mit 40 Achsen aus Salzburg). Im  Bild mit Roco® - KK 40272 und Bremsschläuche. Diese gibt es übrigens auch bei Roco®  (Best.-Nr. 40014) und von PIKO® als Zurüstteile (Größe beachten). Die von Roco® lassen sich besser verarbeiten, sie haben einen deutlichen Zapfen mit Ø 1,2 mm zum Anstecken.

Vorsicht beim Austausch der Kupplungen bei der BR 120 und der BR 216 von Märklin®! Die Drehgestellkonstruktionen sind nicht sehr bastlerfreundlich und die Kupplungen auch nicht.

 

Die BR 232 (V 320) von Rivarossi® kann man zwar mit einer drastisch verkürzten Kupplung ausrüsten, einen Weg zurück gibt es aber nicht. Man muss an den Drehgestellen kürzen. Und die gibt es nicht mehr als Ersatzteil. Die einzusetzende, von Roco® stammende einfache Bügelkupplung muss hinten um ca. 5 mm gekürzt, der Bügel und die hintere kleine Querverbindung entfernt werden.  Aufpassen, dass der Kupplungshaken unter den Puffern durchschwenken kann. Der Originalzustand ist damit dahin, aber sowieso nicht sinnvoll, der Fahrtrichtungsschalter der Wechselstromausführung gammelt mit Kontaktproblemen vor sich hin, er zieht schon bei 16 V, brutzelt vor sich hin, die Kiste bleibt bei 16,5 V einfach stehen. Es hilft nur Radikales: diesen Schalter ersetzen oder rauswerfen, zurück zum Gleichstrom oder die Digitalisierung. Dann ist Ruhe und das prächtige Ding fährt normal. Und den Lichtwechsel  ws / rt gab es bei Rivarossi® zu der Zeit auch nie. Bei dieser, meiner Maschine schon, LED's mit  Ø 1,9 mm. Gibt es bei Conrad®, Best.-Nr. 180483-66, Typ RL 55.

 

              

 

Das hat jetzt ca. 10 mm Verkürzung gebracht. Die Griffstangen sind natürlich von Roco®, Zurüstbeutel # 99216.

 

                                                                        

 

Mehr Bremsschläuche als die bereits angespritzten geht momentan nicht, gibt Konflikte mit der Kupplung. Aber sieht auch so recht anständig aus. Eine Anmerkung noch zu den seltenen Puffern dieser Lok: sie sind recht empfindlich und die Außenhülsen brechen leicht aus. Dann verliert man schnell so einen Pufferteller. Aber mit etwas Geschick kann man die Brawa® - Puffer als Ersatzteil anbringen. Denn die gibt es unter der Best.-Nr. 0330.50.03 und sind sogar bedruckt.

 

Das hier ist jedenfalls eine der Krönungen der Kurzkuppelei:

 

                          

 

2 Triebzüge 628.2/928.2 permanent  mit einer Brawa® - Starrkupplung 2250 optisch perfekt gekuppelt. Elektrisch muss man noch was tun, denn die beiden Motoren müssen synchronisiert werden. Sonst ist bald eine der Kardanwellen kopflos. Oder man macht den zweiten 628.2 antriebslos. Das ist die einfache Lösung.

 

Wenn man nun denkt, es sei alles geregelt, die letzten Kurzkupplungen sind endlich da, denkste, es gibt wieder eine Überraschung. Dabei wollte ich nur eine BR 50 von Fleischmann® mal vor einen Göppinger Zug und dann vor einen Salzburger oder Nürnberger spannen. Geht natürlich nicht. Vielleicht sehe ich das mit der EU auch zu eng: Einigkeit und so ... . Jedenfalls passen die Köpfe nicht zusammen. Weil eine Nürnberger Bratwurst keine Nürnberger Bratwurst ist, wenn sie nicht aus Nürnberg kommt. Auch wenn sie wie eine Nürnberger schmeckt. Die BR 50 hat ne Schlitzkupplung. In die passt aber kein Salzburger Kopf, der fällt einfach durch. Und umgekehrt passen keine Nürnberger Dickschädel in die anderen Schlitze. Sind schon recht schlitzohrig, diese Schwalbenschwanzführungen. Man kann solche Zugverbände nur gezielt verkuppeln. Oder alte Bügelkupplungen akzeptieren und dann fragt doch glatt einer: wieso ist denn ... Also fängt man wieder an zu sägen, zu feilen und zu kleben. Bei der BR 01 folglich auch.

 

Umrüstung auf  NEM – Schacht.

 

Die V 100 (3072) benötigt  ledig den Kupplungsschacht  286400 im Austausch.

 

                     

 

 

                            

 

Die BR 74 (3095 / 30951) und E94 / BR 194 (3322) erhalten ebenso nur einen neuen Schacht:  345760. Bei der BR 74 sollte man die Standardkupplung vorn rauswerfen (abzwicken) und durch Zughaken und Bremsschläuche ersetzen. Das sieht dann mehr nach ordentlicher Lok aus.

 

                                                                                              

 

Für die Baureihen  E10 (3039), E40 (3040) und die E41 (3034 + 3037) werden neue Drehgestellrahmen  (344870), Kupplungsdeichseln (344890) und Schrauben 750200 benötigt. Die neuen Rahmen haben auch gleich die Trittleiter zum Führerstand mit angesetzt. Deshalb muss bei der E41 dann der am Gehäuse angegossene Tritt entfernt werden, es hakelt sonst im Fahrbetrieb.

 

                                           Kupplung 344890 mit Roco® - Kopf

 

 

Nicht nur bei der E10 / E40 / E41 haben alle Tritte zu den Führerständen metallisch blanke Kanten! Vgl. hierzu Fotos der Originale bei www.railpix.de .

 

Hinweis: Als Alternative gibt es den Rahmen 344880 und einzeln die Treppe 229850. Damit ist für diejenigen, die bei der BR E41 die angegossenen Treppchen nicht entfernen wollen ebenfalls eine einfache Umrüstung auf NEM - Schacht machbar.

 

Die BR 120 (3153), BR 151 (3057) und die BR 216 (3074 + 3075) erhalten ebenfalls neue Kupplungshalter: 671860. Hier ist der Austausch aber etwas mühsamer, man muss aufpassen, dass die Drehgestellrahmen beim Aufbiegen nicht demoliert werden.

Eingesteckt werden KK nach Wahl, der Schubbetrieb (Wendezugbetrieb)  ist meist gewährleistet, auch auf dem Industrieradius!. Der Wagen hinter der Lok  muss eine Kinematik haben, Adapter genügen nicht. Bedingt durch den NEM - Schacht ohne Kulissenführung ist der sichtbare geringe Pufferabstand von 3 ... 4 mm unvermeidlich.

 

                                            

 

Hinweis: wird an der BR 74, der BR 194 und der BR 216 der Roco® - Kopf verwendet, so muss u.U. je nach gekuppeltem Wagen hinter der Lok im Schubbetrieb an Stelle von 40271 der Kopf 40287 eingesetzt werden, der ist 1mm länger und vermeidet das Hakeln der Puffer. Kriterium ist die Länge des 1. Wagens hinter der Lok (Überschwenken der Puffer). Zweiachser machen keinerlei Probleme.

 

Die BR 38.10 mit Wannentender bekommt nach dem Freifräsen der Unterkante Pufferbohle (ca. 2mm) einfach die Kupplung 344890 angeschraubt, die Zentrierfeder wird weiterbenutzt.  Wer nicht die Möglichkeit des Fräsens hat, kann auch feilen.

 

                                                              

 

 Die BR 18.4 (3093) und die BR 03 160 (3085) sind auch einfach: austauschen gegen Kupplungsschacht 288390.Ebenso die 3042:

 

                             ausgetauscht: Kupplungshalter 671860

 

Bei der BR 103 / E03 (3054 / 3053) ist ebenso alles einfach: Tauschteil 404020 und den Bügel am DGR abzwicken.

Die Umrüstung der V 200.0 erfordert Fräsarbeit für die Kupplungsaufnahme 440630. Das Gehäuse (Schürze) muss ca. 1,5 mm freigefräst oder freigefeilt werden.

 

                                                      

 

Vorsicht: Märklin® hat wie auch bei den E10 / E40 / E41 eine drehzapfen- und damit kupplungsseitig unsymmetrische Lok auf die Räder gestellt, die außerdem Höhenprobleme macht. Dies bedeutet, dass bei der V 200.0 der höhenvariable KK 40287 von Roco® verwendet werden muss! Durch die Unsymmetrie sind auch je nach Führerstandsseite die Pufferabstände unterschiedlich!

 

                             

                                                                                            Gut und Böse

 

BR 81 und V 60 (BR 260): es genügt ein Austausch der Relex® - Kupplung durch den Kupplungshalter 404 020 von der BR E 03 / 103. Die vorhandene Zentrierfeder wird beibehalten, zusätzlich werden nur je Seite 2 Unterlegscheiben benötigt. Obwohl auch hier keine Kinematik vorhanden ist, kann der Industriekreis befahren werden.

 

                        

                                                                   

 

Recht einfach ist der Umbau der älteren Piko®- / Gützold®-Loks der BR E44. Man muss nur die Serienkupplung mit Träger vorsichtig ausbauen, ein Aufnahmegewinde M 3 setzen und dann die Kupplungshalter der Märklin® BR 194 mit Distanzrohr (2,5 mm lang) anschrauben. Schraube M 3 x 6 mit Lack sichern.  Zwei Anschläge zentrieren die Kupplung.

 

                         

                                                                                                          hier noch ohne Führerstandstreppen

 

 

Der Schienenbus 3016.

Nun hatten mich schon lange die Kupplungen und die schäbigen Schleifer an den Beiwagen geärgert. Da gab's nur eins: Resteverwertung von alten Roco® Deichseln mit NEM - Schacht, die eh nicht echt kurzkuppelfähig waren. Man kann sie aber gut auf die VT 95 und VB 142 zurecht schneidern, denn die hatten eine Mittelkupplung. Mit Silberleitlack ergibt das dann noch stromführende Kupplungen. Das spart u.U. die Decoder in den Beiwagen und man hat doppelte Einspeisung. Drehzapfenabstand zwischen den Motorwagen 52 mm und bei den Beiwagen 31 mm. Dies bringt zwar keine echte Verkürzung des Fahrzeugabstandes, aber dafür ist der sichere Betrieb auf dem Industriekreis möglich. Die original Drehpunkte beim Beiwagen müssen wegen des gedrehten Halters gespiegelt werden, Ø 2 mm für Schraub - Befestigung. Sonst klappert die Kupplung. Alle Zentrierfedern werden wieder verwendet, auch die am Motorwagen.

 

                       

                               Original aus Roco® Umbauwagen 4-Achser              -->   Beiwagen                  -->   Motorwagen

 

                                                    

 

            

 

Der komplette Ausbau der Schleifer mit Sockel aus den Beiwagen ist nur für geübte Bastler reversierbar. Nur, wer baut schon leitende Kupp-lungen wieder zurück! Noch was: neuen Wagenboden einlegen, damit die Beleuchtung der Gleise aufhört! Bei den Motorwagen müssen die Stege, die die alten Kupplungen hoch halten, raus geflext werden. Nix für Vitrinensammler, nur was für Modellbahner, die über unrealistische Wertwahnvorstellungen eines Kataloges hinwegsehen können! Die sichtbaren KK - Teile sollten mit lösungsmittelfreier Farbe „getarnt“ werden! Die Kabel werden mit dem KK - Kopf im NEM - Schacht eingeklemmt. Wenn das nun ein VT 98 mit Puffern wäre, dann könnte man auch noch einen Güterwagen mitschleppen, denn die Kupplungen haben Normhöhe.

 

 

 

Sicher sind noch weitere Aufrüstungen relativ einfach machbar, probieren Sie mal selbst, was noch geht.

 

        ©   Wolfram Stephan                        Inhaltsverzeichnis                    Startseite