Füssener Modellbaublätter                                                                         4/07    

 

Thema:                              Gestaltungsherausforderungen

                    was aus einem Baumarkt wurde

 

So sieht das Ding aus wenn man es kauft:

  erstmal verlockend,                                nur das wird mit einer Kiste allein nie draus.

 

Wenn man die Kiste öffnet schwindet erstmal die Euphorie. Weiße Dachrinnen, postgelbe und schokoladebraune Ziegel, KS – farbige Dachziegel, gelbe Dachziegel, richtig knallrote Rohre, eigentlich alles recht farbenfroh. Aber so kann man das nicht widerspruchslos lassen. Dafür jede Menge Kanalringe statt Teile die ein Baumarkt auch noch verkauft. Hier ist reichlich Eigeninitiative gefragt.

So z.B. kann das Motiv aussehen, wenn man dann anfängt ins Reale zu ändern:

               

 

Es fehlt jetzt noch die Patina am Gebäude, das Gras am Zaun, richtige Leuchten und Kunden.

 

Das Ändern fängt beim statisch wackligen Regal mit ungesichert angelegten Leitern an und endet beim Angebotssortiment. Für die großen Zielsteinpakete aus dem Bausatz gibt es keine Paletten. Auch sollte man sie naturgetreuer anpinseln. Aber seit ich die Schatzkiste # 42652 von Auhagen® habe sind u.a. so einige Paletten-, Kleinteil-  und 4-Kantholz-Problemchen gelöst. Schönere Ziegel gibt’s z.B. bei Vollmer® (5241), Rundhölzer sind aus Zahnstochern und Schaschlikspießen gemacht, Schweißdrähte ergeben Rundmaterial und gute Rohre oder echtes 4-kant-Holz gibt’s in den Modellbauabteilungen für Autos, Hubschrauber, Schiffe usw. Oder von PIKO®. Heißt dort Plastruct. In den Modellbauabt. kriegt man übrigens auch Zahnräder für die AW-Gestaltung! Ansonsten heißt es: man muss nicht alles hinstellen, bloß weil es in der Packung war! Überhangteile finden auch noch woanders ihr Plätzchen.

Die Gartenmöbel im Sonderangebot sind von Kibri® und so einiges zusätzliches Zubehör stammt wieder aus dem Hause Faller®. Von da gibt’s auch weitere in Grenzen angemessene Ausstattungsteile: Grills oder Teiche. Andere Sachen sind für diesen (Baumarkt-) Zweck mengenmäßig etwas unsinnig: 70 Zaunmuster, 80 Pflanzsteine oder man kriegt sie nicht einzeln: die Gartenmöbel aus Holz vom Garten-Center. Oder etliche Ausstattungsteile von der Ziegelei als Beipack! Man könnte diesen Bausatz also viel pfiffiger anbieten, zumal auch noch einige der andere Kleinteile sowieso schon als Zukaufteile z.B. von Preiser® oder aus ehemaligen Pola® - Bausätzen stammen. Man muss also die kleinen Feinheiten irgendwie als Ersatzteile mühselig zusammensuchen. Es sind jetzt eigentlich fast alle Hersteller auf diesem Baumarkt bei mir vertreten. Schauen wir uns weiter um:

 

       

 

                  Völlig geändert: das querverstrebte 4er - Regal, die Streben gelötet aus verkupferten Stahldrähten Ø 0,8

 

Der Hund übrigens ist besser als jedes Tor. Er lässt wie unserer jeden rein, aber keinen mehr raus. Und er pinkelt immer an den rechten Zaunpfosten, man sieht es, es ist sein Privileg. Noch was: Zäune müssen nicht gerade sein, von den 60 Gartenzäunen in unserem Ortsteil sind vielleicht 3 richtig gerade, weil ganz neu. Der Rest ist halt auch ein wenig oder mehr  krumm. Und verwittert. 

 

 

                    

 

                                         Die Leiter hängt in einer Laufschiene aus Ø 0,6 Messing und

                                                die Leiterhaken sind eigentlich Anschlussdrähte von Widerständen mit Ø 0,3

 

Schon diese Änderungen und Farbe werten das Regal enorm auf. Aus den zwei Regalen mit je 3 Feldern wurde eines mit 4 Feldern und eines mit 2 Feldern fürs  AW-Lager. Auf dem Regal sollte man auch dafür sorgen, dass nicht gleich wieder alles runterfliegt. Man kommt im Gegensatz zum Verpackungsbild (auf jeder Fleischsalatpackung steht „Serviervorschlag“) nun auch mit einer Ameise® an alle Regalfelder. Solche Hebezeuge gibt’s wieder bei Preiser®. Einige Waren auf Paletten sollten gesichert sein. Bindfäden oder besser  Klebebänder für Leiterplattenentwürfe sind tolle Spannbänder!

Viele Dinge muss man auf Paletten setzen, sonst kann man sie weder auf- noch abladen. Also gleich die Paletten-Packung von Preiser® extra dazukaufen.  Es sind 60 Stück drin, man braucht sie woanders auch noch reichlich. Oft liegen kleine Gabelstapler in den Bausätzen bei. Hier hab ich so ein Mordgerät mal hingestellt. Man sollte diese Dinger aber ganz einfach durch solche ersetzen, die auch den Unfallverhütungsvorschriften (UVV) entsprechen und einen Schutz über dem Fahrersitz haben.

 

Zu diesem Gestaltungsbeispiel: der auf dieser Anlage verfügbare Platz lässt leider keine Erweiterung zu. Denkbar wäre z.B. die Zusammenlegung mit Garten-Center 130357, Futtermittelhandel 130967, Lagerhaus 120158 (alles von Faller®) und einer Kohlenhandlung mit Fahrzeugwaage von Kibri® ähnlich älteren BayWa®- Zentren, Bausätze gibt es. Die Baumarkthalle geht dann in die Asservatenkiste oder eine sonstige unauffällige Ecke. Die Gärtnerei  hier nebenan  muss sich schon mit einem kleinen Neubau begnügen. Aber so ein größeres Projekt kostet Platz und Geld. Man ist da schnell bei 200,- €. Das macht dann aber echt was her.

 

                              

 

Der Eingangsbereich samt Parkplatz lässt sich auch noch freundlicher gestalten, selbst wenn der Baumarkt neben dem Bahngelände liegt. Es wird noch dran gearbeitet!

 

                      

 

Nun hab ich das abscheulich saubere Dach endlich mit etwas Ruß und Taubensch... und so versehen. Jetzt sieht es normal aus. Die Fassade ist auch noch dran. Dazu sollte man erst die Dachrinnen umfärben, zunächst z.B. Kupfer, gleich etwas Patina ran und dann kann man alles gemeinsam noch mal alt aussehen lassen. Nur das Partyzelt sollte sauber bleiben, es sei denn, man will es nicht mehr verkaufen.

 

                   

 

 

 

                    Fundamente:

 

                                                       

 

 

So sieht es aus, wenn man es besser macht:  (Momentaufnahmen vom Baufortschritt)

 

                   

 

                   

 

 

         Der Umbau

 

Nachdem das Verkaufsgebäude von Faller® nicht so den richtigen Eindruck machte hab ich es durch die Schmiede  # 11409 von Auhagen® ersetzt. Ein schönes Modell, bei dem fast alles stimmt, aber trotzdem muss man auch hier einige Maßnahmen zur besseren Gestaltung ergreifen.

1.      Es gibt kaum eine Schmiede mit so sauberen Innenwänden, also sorgfältig patinieren!

2.      Die Hauptgebäudewände sollte man vor dem Zusammenbau lichtundurchlässig machen, das ist besser als der Papierkrieg. Das gilt auch für die Decke der Werkstatt. Vorher Fensterrahmen und Fenster einbauen, abkleben, dann seidenmatt schwarz und eine Schicht weiß lackieren. Wenn man nicht wieder Weiß draufmacht, dann sieht das aus wie eine Kohlengrube, nix reflektiert, man kriegt kein diffuses Licht. Klebeflächen freischaben. Die Werkstattfenster dürfen nicht eingebaut werden, da sie beim Abkleben Federn lassen würden, denn die Fensterkreuze können sich lösen.

3.      Rechtzeitig ein Schmiedefeuer (LED) in die Esse einbauen

4.      Büro und Werkstatt brauchen ein Deckenlicht, z.B. Lichtleiste mit 3 SMD – LEDs wie die in den Füssener Modellbaublättern 01/07 beschrieben. Der Wohnbereich bekommt normale Beleuchtungssockel.

5.      Werkstatteinrichtung  # 17185 von Preiser® besorgen (Werkbank, Schraubstock, Schweißgerät, Kompressor, Schleifbock usw.)

6.      Büromöbel  # 8655 von Kibri® und/oder Preiser® # 17184 besorgen, Hinweis: 5 und 6 kann Wochen dauern!

7.      Den Schmied und seine Gehilfen nicht vergessen

8.      Für einen Seiteneingang vom Lagerhof zum hinteren Verkaufsbüro folgende Ersatzteile bestellen: # 8 (Rahmen) und # 9  (Tür)  und das Vordach # 52. Vordachträger sind reichlich vorhanden. Das Vordach kann man auch aus Überhangteilen herstellen.

Dies alles benötigt etwas Zeit, bitte Geduld aufwenden und nicht pfuschen. Die Bauzeit betrug wegen der Trocknungszeiten 5 Abende.

 

Ich gebe ja zu, dass nun vom ursprünglichen Baumarkt nicht mehr viel übrig ist. Aber Gestaltung ist eben Geschmackssache und ab und zu müssen Opfer gebracht werden. Das ehemalige Gebäude des Baumarktes geht in die Asservatenkiste oder ein Freund kann es gebrauchen. Hier sehen Sie nun den neuen umgebauten Baumarkt:

 

                

 

Das Schmiedefeuer:     Schutzdiode 1 N 4148, Rv = 220 Ω  ¼ W, LED Ø 3 mm rot, seitlich rundum schräg angefeilt, damit sie Streulicht abgibt. Ggf. ein paar Krümel rotes Blumenstreu dazu als Glut. Man kann natürlich diese LED auch in Reihe mit dem Lichtband schalten. Die Beleuchtung muss auch am Tag eingeschaltet bleiben.

Bitte Schmiederaumdecke nicht einkleben, das Hauptdach auch nur auflegen und am Blechdach vom Giebel über der Einfahrt unterhaken, sonst kommt man innen nirgends mehr ran. Damit das mit dem Dach geht, muss auch der Kamin abnehmbar bleiben. Dazu macht man aus dem rechteckigen Anguss-Stück der Dachplatten ein Klemmstück (etwas feilen) und schon kann er abgeklappt werden oder hält das Dach fest.

 

                

 

Es ist klar, dass ich die spartanische Inneneinrichtung gehörig ergänzt habe. Die Ortgangbretter am Giebel kann man leicht selbst zuschneiden, aus altem Bestand. Die Mechaniker findet man bei NOCH®, # 15105 und Preiser® # 14031, sie sind aber noch nicht alle  hier eingestellt worden.

 

                    

 

Der neue Baumarkt mit der Schmiede macht etwas mehr Mühe, aber es ist der Mühe wert.

 

                                ©  Wolfram Stephan                      Inhaltsverzeichnis           Startseite