Füssener Modellbaublätter                                                                     2/07    

 

Thema:                   Bausätze, die es (nicht) gibt, das Goethe - Gymnasium

 

 

Immer wieder tauchen bei der Stadtgestaltung Probleme auf, weil man das darzustellende Motiv, bzw. die Komponenten dazu in keinem Katalog findet. Steigen wir in die Problematik mit einem Entwurfsfoto ein:

 

                          

                                                                           geliebt und auch gehasst:    die Schule

 

Es wird von keinem Hersteller ein Schulkomplex angeboten. Weder vollständig noch Komponenten dazu. Nur ohne Schule geht es nicht! So half nur der Eigenbau des „Goethe-Gymnasiums“. Repräsentativ sollte es sein, ein Sportplatz gehört dazu, eine Turnhalle und natürlich eine Hausmeisterwohnung.

 

Die Wahl fiel auf folgende Komponenten:                               Schulgebäude:                    Vollmer® 3765, (Postamt) umgebaut

                                                                                             Turnhalle:                           Vollmer®, Südflügel von 3561, (Bhf. Nordheim)

                                                                                                                                        umgebaut

                                                                                             Hausmeister:                       Faller® 131224, (Siedlerhaus m. Anbau) Hobbyserie

                                                                                             Fahrradständer:                   Faller® 180584

                                                                                             Hofgestaltung:                     Busch® 1057 (Basketballfeld) u.a.m.

 

 

Ein besonderer Dank geht hier an den Service der Fa. Vollmer GmbH & Co. KG, ohne dessen Unterstützung der recht aufwändige Umbau nicht hätte realisiert werden können. Schließlich wurde die gesamte Rückfront des Postamtes umgebaut, die Seiten umgestaltet und eine Turnhalle mit Anbau aus einem Bahnhofsflügel geschaffen.

 

Das Schulgebäude.

 

Beginnen wir mit dem Umbau des Postamtes. Die rückwärtigen Rampen mussten verschwinden, dafür 2 neue Klassenzimmer auftauchen, der hintere Eingang überdacht und seitlich sollten im EG Flurfenster eingesetzt werden.

 

Die erste Umbauidee wurde wegen der Nichtaustauschbarkeit von Front- und Rückseitenteilen verworfen. Die Lösung lag dann in neu zusammenzusetzenden Rückseitenteilen rechts und links. Die Mitte blieb erhalten. Benötigt wurden also zusätzliche Rückfronten, Fensterteile und die Friese zur Abdeckung der Sägeschnitte. Nach Klärung einiger Maße gab es grünes Licht aus Stuttgart und es waren dann alle benötigten Teile prompt auf dem Tisch.

 

Nun hieß es messen und sägen. Zur Sägerei: es geht mit einer wassergekühlten Dekupiersäge. Sonst verschweißt der Kunststoff sofort wieder hinter dem Sägeblatt. Reserve einplanen und mit Kontrolle auf Winkligkeit die Schnitte sauber auf Maß feilen. Wer eine gute Kapp- und Gehrungssäge hat kann auch damit sägen, aber langsam. Anschläge verwenden! Trotz aller Sorgfalt können beim Zusammenbau der neuen Rückfrontenteile feine, aber sichtbare Fugen bleiben. Sie wurden mit den Friesen überdeckt, Patina wäre auch denkbar, um die Fugen zu „vertuschen“. Innen die nicht werksseitig geplanten Fugen mit Laschen überkleben, das bringt Stabilität!

Laub- oder Bügelsägen sind in diesem Fall nicht gerade geeignete Werkzeuge.

 

Die Glasdächer der hinteren Rampen wurden verkleinert und schützen jetzt den Mittelausgang Rückseite sowie den Eingang  Turnhalle. An der Front und den Seiten gab es auch Veränderungen: die Fenster.  Im Rundbogen der Front wurden weiße Rahmen eingesetzt und an den Seiten kamen im EG die Flurfenster hinzu.

  

                    

 

 

Die Turnhalle. 

Es gibt eine Sporthalle der Firma Busch GmbH. Die sieht zwar gut aus, aber sie ist etwas zu modern geraten und passt nicht ins Städtebild der hier dargestellten Kleinstadt. Das führte zum „Neubau“:

 

                                 

 

 

Entstanden aus dem Bahnhof Nordheim von Vollmer®. Es ist ein Seitenflügel, er wurde „tiefer gelegt“, und zwar um Bahnsteighöhe. Der Sims bietet sich an, somit wird Höhe Hallenboden = Höhe Außenboden. Sägen mit Wasserkühlung und sauber gerade feilen. Das Dach musste farblich dem Hauptdach der Schule angepasst werden, also umlackieren mit Humbrol® - Mischung matt. Spätestens hier sieht man die Notwendigkeit des Besitzes von Air-Brush® ein.

 

Der Anbau ist aus Ersatzteilen des Mittelteiles des Bahnhofes und der Seitenflügel entstanden, ein zusätzliches Dach wurde passend gemacht. Den Eingangsbereich ergaben noch einige Teile der zersägten Rückfronten der Schule, wie z.B. Türbereich. Feinarbeit ist beim Einfräsen der Schlitze in die oberen Simse der Halle gefordert, damit das Dach richtig anschließt. Die Dachgauben muss man halt aus der großen Kiste mit Überhangteilen fischen.

 

Das Innere der Turnhalle ist trotz riesiger, klarer Fenster und Türen nur schlecht ausgeleuchtet. Deshalb galt es auch hier, wie in den Füssener Modellbaublättern 1/07 beschrieben, ein Lichtband mit 3 LED's einzusetzen. Damit  werden die Einrichtungen wie Basketballnetze, Sitzbänke und die Turner gut sichtbar. Die Hallenbeleuchtung muss aber auch tagsüber eingeschaltet bleiben.

 

Sitzbänke (Brauereibänke) gibt es von mehreren Herstellern, die Basketball - Körbe sind aus dem Basketballfeld von Busch® und den Bodenbelag kann man selbst mit einem guten Programm wie Corel-Draw® erstellen. Man kann sich auch Barren oder Recks aus Zahnstochern, Messingdraht und -rohr usw. sowie z.B. Pferde, Böcke oder Schwebebalken leicht selber bauen. Kritisch wird es dann bei den Turnern oder Turnerinnen. Die muss man wieder mal mühselig aus dem Zirkus oder den Soldaten zusammensammeln. Das Ergebnis werde ich deshalb etwas später zeigen.

  

Die Übungstore auf dem Hof stammen übrigens aus Überhangteilen, es sind ehemalige Fensterrahmen. Hier wird deutlich: wirf nie scheinbar unnötige Teile weg. Auch keine Anguss-Teile, wenn sie irgendwann einsetzbar erscheinen, z.B. als Rohre oder Rundmaterial!

 

  

Was tun mit den zunächst traurigen Resten des Bahnhofs Nordheim? Ganz einfach: der zweite Flügel ergab den Kursaal zum Kurhaus Vollmer® 3772, das mit einem neuen Seitenausgang versehen und einigen anderen „Restteilen“ ergänzt wurde.

Der Mittelbau des Bahnhofs wurde zu einer Markthalle umgebaut. Auch hier gab es entsprechende Ersatzteile von der Fa. Vollmer GmbH & Co. KG. Nun hat die entstandene „Fischhalle“ zwei große Eingänge und identische Seitenteile mit Fenstern.

Diese Bauten schauen wir uns später an.

 

 

Zurück zur Schule. Eine Schule hat einen Hausmeister. Und der muss irgendwo wohnen und auch ständig präsent sein. Im Winter Schnee schippen und schimpfen, im Sommer den Hof fegen und schimpfen. Also bekommt er zur Beruhigung großzügig ein Hausmeisterhaus bei geringer Miete zur Verfügung gestellt. Aber ohne Garage.  Damals als die Schule gebaut wurde hatten Hausmeister kein Auto. Nur ein Fahrrad mit einem Klaufix hinten dran, oh, Entschuldigung, Anhänger natürlich! Und die Schüler kamen meist zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Also gab es einen  Fahrrad-Ständer. Für alle. Auch für Lehrer! Ist zwar heute nicht mehr aktuell, aber nicht zu ändern.

  

                      

  

Weil ihn die Schimpfereien und das Schneeschippen nicht ausgelastet haben, darf er auch im benachbarten Gericht und Rathaus Hausmeister sein. Da ist er aber ruhig, sonst haut ihm der Richter oder der Würgermeister eins auf den Deckel. Und dann ist er vielleicht arbeitslos.

Ich weiß auch gar nicht, warum der sich da so aufregt, denn wir haben die Mülltonne da extra zugeklebt, damit nix raus fällt und Arbeit macht. Er versteht wohl keinen Spaß!

  

 

        

                                                            Das Goethe - Gymnasium  in Steinheim

 

 

Anmerkungen:

 

Ich hoffe Ihnen mit diesem kleinen Bericht wieder einige Anregungen gegeben zu haben. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass in diesem Rahmen keine ausführlichen Umbauanleitungen gegeben werden können. Für unverbindliche Auskünfte und Tipps stehe ich aber gerne auf Anfrage zur Verfügung. Bitte denken Sie daran: der Koch richtet den Braten an, es sind nicht nur die Zutaten allein.

 

In allen Gestaltungstipps der Reihe Füssener Modellbaublätterwerden Sie auch Modelle sehen, die aus längst eingestellten Produktionen stammen. Dies ist sehr bedauerlich, denn es gab da wirklich tolle Modelle wie z.B. von Pola® oder WIAD®.  Aber dies betrifft auch die Bahnhersteller. An einigen Fahrzeugen wurden Details von Fremdherstellern nachgerüstet, sie gab es in der dargestellten Ausstattung nie im Handel.

 

                                                

 

Es ist sehr erfreulich, dass Firmen wie Auhagen®, Faller® und Vollmer® mit tatkräftiger und preisgünstiger Ersatzteilversorgung bei der Eigengestaltung der Modellbauten sofort helfen und sogar Alternativen vorschlagen. Bei anderen dauert die Antwort auf Anfragen etwas länger.

 

 

Ich wünsche viel Spaß bei der Konstruktion Ihrer Modellbauten.

 

 

 

Eine Gewährleistung auf die Machbarkeit und den Erfolg ist grundsätzlich ausgeschlossen.             ©  Wolfram Stephan  

 

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