Füssener Modellbaublätter                                                                    3/07    

 

Thema:                               Bahnbetriebswerke

 

 

                                Ausbesserungs- und Bahnbetriebswerk Steinheim West

 

Das BW Steinheim  besteht aus 6 Einheiten:                                                   Ausbesserungswerk mit Hilfszug

                                                                                                                             Dampflok – BW

                                                                                                                             Diesellok – BW

                                                                                                                             El-Lok–BW in Steinheim - Ost

                                                  Lehrwerkstatt

                                                                                                                             Lokleitung, Schulung  und Verwaltung

                Ausbesserungswerk:

 

Das Ausbesserungswerk umfasst Zentrallager, Maschinenhalle, Fahrzeughalle mit Untersuchungsgrube, Lehrwerkstatt und Hilfszug. Im Mitteltrakt sind die Büros und im OG ist die Kantine.

 

Eingesetzt wurden Eisengießerei  130980, Lokschuppen 120159 als Fahrzeughalle und Untersuchungsgruben 120136, alle von Faller®. Die Lehrwerkstatt wurde aus Bausatz 5612 von Vollmer® gebaut und der Bockkran ist wieder von Faller®. Die Faller® - Kamine mit der Leiter ohne Schutzgitter hab ich in die Asservatenkiste gepackt. Ein Heizungshaus wurde umgebaut.

 

                 

            

 

Der hier stationierte Hilfszug wird wie in Natura selten bewegt, sollte aber verfügbar sein. Für Modelleisenbahner also ein schönes aber teures gestalterisches Element. Lokleitung und Großbekohlung von Auhagen®:

 

 

     

  

                                    Das kleine Dach und die kleine Laufkatze über der Rampe ist neu:

          

              

 

 

Der Bautrupp vom AW hat Verstärkung bekommen. Einen Oberbau - Wagen OBW 10 von Liliput®. Mit Federpuffer. Gibt es für Wechselstrom - Fahrer aber nur antriebslos. Und am Outfit muss man auch noch kräftig hinlangen. Ich hab ihm erst mal Kupplungshaken und Bremsschläuche spendiert. Die Beschriftungen am Aufbau wie im Conrad® - Katalog gibt es nicht, alles gelogen, keiner hat sie. Der Kran war ein Dorn im Auge, auch gelb, jetzt sieht wenigstens der normal aus. Nun werden von Conrad® die Beschriftungen ausdrücklich erwähnt. Gekommen ist ein total unsinniges Decal, das mit dem OBW 10 nichts zu tun hat. Gehört zur Gleisstopfmaschine. Die Qualität ist auch miserabel. Irgendwie denkt man, nicht normal. Kostet aber € 5,99. Ich hab mir nun selbst die Beschriftung gedruckt.

               

                        

 

 

Inneneinrichtungen sind eigentlich  nur was für Perfektionisten. Im Gegensatz zu manchen Oberflächlichkeiten beachtet man sie kaum, dennoch, das AW hat große Fenster, große Tore, also schauen wir mal rein:

 

              

 

Die schweren Maschinen waren von WIAD®. Im ETS-Webshop gibt es aber noch solche Maschinen. Sonstige Einrichtungen sind von Preiser® und Kibri®. Wenn das Dach drauf ist und die Beleuchtung eingeschaltet, kann man so richtig fensterln. Apropos Beleuchtung, was hier zu tun ist steht in den Füssener Modellbaublättern 1/07! Die tollen Werkstattkalender an der Wand sind der Zensur zum Opfer gefallen.

 

               

 

               

 

Das ist das Zentrallager. Der Hackl Schorsch macht gerade Inventur. Deshalb hat er alles rausgeworfen, was er meint nicht mehr zu brauchen. Da zählt es sich leichter. Liegt aber eher daran, dass Preiser® einige Sachen seit  Monaten nicht liefert. Das Regal in der Ecke, natürlich umgebaut, blieb vom Faller® Baumarkt 130356 übrig, ein Bausatz, der geradezu zu eigener Kreativität herausfordert.  Aber schauen Sie dann selbst.

Ich habe bereits darauf hingewiesen: es tauchen auf meiner Anlage immer wieder Dinge auf, die es nie serienmäßig gab, die es nicht mehr gibt, oder nie geben wird. Die gibt es nur hier und es hilft nur eins: selber machen!

 

 

Ein Blick in die Fahrzeughalle:

 

                

 

Entschuldigung, da hat einer das Licht ausgeschaltet!  Das war bestimmt der Hackl Schorsch. Aber es ist schließlich Freitag 14:01h! Also schauen wir Montag noch mal rein.

 

Eisenbahnen sind nicht sauber!  Wie denn auch, so was gibt es nur bei Autos, denn die Autohäuser müssen strahlenden Glanz verkaufen, glänzende Leistungen sind zweitrangig, so wie bei unseren "Nobelkarossen"! Und Neubauten bleiben auch nicht immer neu. Ein AW oder BW wirkt erst mit ordentlicher Patina natürlich. Siehe z.B. Kranausleger! Der Kran wurde übrigens kurzgekuppelt, schauen Sie mal in Folge 06/07 der Füssener Modellbaublätter.

 

                 

                      

Im AW Steinheim wurde u.a. auch unsere  BR 01 220 repariert, weil man in Treuchtlingen alles dicht gemacht hat, sie bekam neue Bremsschläuche:

 

                      

                                                 Das Original steht übrigens in Treuchtlingen im Stadtpark

 

                                                                                                                              

Zur Info:    Die 01 220 war eine Wechselstromvariante von Fleischmann®, ca. 1980. Jetzt ist sie digitalisiert.

Nun wird erstmal richtig gemeckert: was hat sich eigentlich der Formenkonstrukteur von Kibri® dabei gedacht, als er die Angusspunkte der Müllcontainer genau in den Blickpunkt legte? Vermutlich nichts. Denn solche Ausrutscher findet man sehr häufig. Aber vielleicht lernen die auch noch was dazu, oder kann man es dem chinesischen Billiglieferanten anlasten?  Für die Qualität bleibt aber der Modellbauname verantwortlich.

 

Die Fahrzeughalle: endlich ein Blick ins Innere, der Hackl Schorsch ist wieder auf den Beinen. Ein wenig renovierungsbedürftig die Halle, der Schorsch auch. Nur die Mädels an den Wänden sind noch (druck-)frisch. Aber Mehdorn hat kein Geld zum tünchen. Vgl. Bahnhof Füssen. Er verkauft so was lieber. Das tüncht dann die Bilanz.

Die Arbeitsbühnen sind einfache Plastikstreifen, jedoch dunkelgrau matt gestrichen, wegen der runtergefallenen teuren V2A – Schrauben, die eh selten einer aufhebt. Die Treppengeländer sind uaS. Hat ein Tschirpi gebaut. Wenn man es streng sieht, ist die ganze Halle eine Fehlkonstruktion, sie ist um ein Feld zu kurz, man kriegt die Tür nicht zu. Deshalb wird im Winter nur Kleinkram repariert. Die von Faller® wissen es zwar, aber sie ändern es seit 30 Jahren nicht, zwei Bausätze passen auch nur nach kräftiger Eigenleistung. Schnellzugwagen sind nun mal bis 330 mm lang! Aber die Halle hier war nun mal fertig. Ich glaub, früher gab’s dafür mal einen Ergänzungssatz, aber da hatten wir auch noch einen Kaiser. Da kann man nur sagen: make it better! Es wäre ganz einfach.

 

                      

 

Das Heizungshaus des Hauptgebäudes  wurde abgerissen, das von der Fahrzeughalle mit einem Eingang versehen und es wurden Sozialräume eingerichtet. Denn das Heizwerk vom Diesellok – BW versorgt das ganze Areal incl. Bahnhof.

 

                    

 

Der Schrott - Container ist unentbehrlich und rechts die Lehrwerkstatt auch. Die Lehrplätze brachten einige Zuschüsse von der Regierung. Da gucken wir dann bald mal rein. Nicht in die Regierung, das ist nicht so gut und nutzt uns nix. Lieber in die Lehrwerkstatt.

In der Lehrwerkstatt hatte man erst neumodische Lichtbänder mit 3 SMD – LED's aufgehängt. Das war vielleicht ein trübes und farbstichig blau-weißes Licht! Die Azubis sind ständig eingepennt und hätten sich auch fast noch die Augen verdorben. War nur gut für den Hackl Schorsch, denn da hat ihn kaum einer gesehen. Bis dem Meister der Kragen geplatzt ist. Nun hat er 2 der tollen Deckenstrahler wie in der großen Halle in seiner Lehrwerkstatt und der Schorsch wieder ein Problem mehr.

Nahe liegend, dass die LW Fliesenboden und Inneneinrichtung bekam. Der Eingang wurde auf staplergerechten  Zugang umgebaut. Basis hierzu war der Gepäckbahnsteig 3558 von Vollmer®, der nur 6 mm hoch ist. Die Werksbahn (H0e) führt vom Überladekran in die Maschinenhalle.

                                                

                                

 

Was so langsam bei allen Herstellern auffällt ist, dass immer weniger Wert auf vernünftige Farben oder Farbkombinationen gelegt wird. Selbst bei Vollmer® setzt man graue Fensterrahmen in gleich graue Umfassungen ein. Dafür dann ne heftig grüne Tür. Solche Farbverirrungen sind eigentlich nur ein Kibri® - Merkmal. Man muss heute fast jedes Modell individuell farblich behandeln. Aber selbst bei patinierten Modellen ist Nacharbeit immer angesagt.

Bei der Lehrwerkstatt wurden die Fensterrahmen und die Türen umgefärbt, von grau auf ein dezentes dunkleres Grün ähnlich der Dachrinnenfarbe der Schulgebäude.  Diese Änderung  haben auch die Werkstätten im Bahnbetriebswerk 2 für El-Loks bekommen. Ist vielleicht sehr konservativ, aber der Steinheimer Malermeister will etwas Kontrast sehen und ist da unheimlich stur.

 

        Die Bahnbetriebswerke:

 

Der Weg vom AW und der LW führt zum Dampf - Lok - BW. Es gibt 3 Lokstände und 2 Freigleise. Das erste Freigleis dient als Arbeitsgleis zur Rohrreinigung. Hier steht auch das Kompressorhaus.

 

                                                              

 

        Das sind die beiden Kompressoren vor dem Einbau ins Haus. Die Zahnriemen sind Haftreifen.

       

                        

 

                                                                                     

 

Die alte BR 38 von Märklin® mit Wannentender hat eine komplette Bremsanlage bekommen, für die Treibräder von Fleischmann® und ein neues Laufgestell von Märklin®. Weiter zum Ringlokschuppen, der noch 4 Anbauten für Toiletten, Personal und Werkräume hat.

 

    

 

Die Zufahrt geht über Gleis 16 mit Wasser fassen, besanden, bekohlen und entschlacken zur Drehscheibe. Die Drehscheibe ist eine Standard-Drehscheibe und hat einen Durchmesser von 26 m. Das 2. Freigleis ist ein Mehrzweckgleis und dient neben der Abstellmöglichkeit für Loks auch zur Anlieferung von Heizöl und Diesel.

 

                         

 

Auch wer’s erstmal nicht glaubt, diese Loks sind etwas einfache und ältliche Märklin® – Modelle. Wenn man am Rahmen etwas neu streichen muss:  Marabu® Decormatt, 2 Teile Granatrot 004 und 1 Teil Gelb 019 passt!

 

 

Gleis 17 geht an der Lokleitung vorbei und ist Ausfahrtsgleis. Somit wird eine ausfahrende Lok nicht durch die notwendigen Servicearbeiten an der gerade eingefahrenen behindert.

 

Gleich nebenan befindet sich das Diesellok - BW. Hier wird es mit den Abstellmöglichkeiten eng, es gibt nur 2 Stände.

 

                                                                                         

 

Bei extremen Platzbedarf muss auf das EL-Lok-BW ausgewichen werden, gehen wir also dort mal schauen, beide BW’s sind u.a. durch ein Lokverkehrsgleis direkt verbunden, nur, da ist es auch recht eng.

 

                           

 

Das El-Lok-BW liegt östlich des Bahnhofs, wir kennen es schon ein wenig aus der Beleuchtungstechnik. Da war aber nur von der Halle die Rede. Die getrennt stehende Werkstatt 5610 mit Anbau von Vollmer® war ne richtige Fummelarbeit: die große Tür in die Seite einbauen, im OG statt der großen Gebläse nun normale Toilettenfenster (die reichen eigentlich aus) und die Werkstattabluft jetzt im EG. Die Seiten wurden noch getauscht und Rampen mit Auffahrtsschrägen für Gabelstapler mussten auch hier her. Die wichtigsten Eingänge wurden mit Faller® - Ersatzteilen aus der Eisengießerei überdacht. Bei einem kleinen Kran gibt’s derzeit Lieferprobleme, die Ersatz-Laufkatzen aus dem AW sind hier etwas zu groß. Schließlich wiegt auch ein großer 1.100 KW - Elektromotor nur ca. 4,5 t! Die 103 hat 6 davon. Bei uns in der AEG ist mal so ein Ding aus ca. 1m Höhe vom Tisch gefallen, weil das Ladegeschirr gerissen ist. Das Erdbeben war bis im 5. Stockwerk zu spüren. Aber dem Motor hat’s nix ausgemacht. Allerdings hatten wir dort einen mit Buchenscheiten gepflasterten Boden. Das so nebenbei. Für größere mechanische Reparaturen sollte das Fahrzeug dann sowieso ins AW überstellt werden.

 

                          

 

Die Laderampen samt Auffahrten waren eigentlich anders geplant, aber die Ersatzteilkiste bei Vollmer® gab zur Bauzeit nicht das Gewünschte her. Also den Bausatz 3558 gekauft und die Gehrungssäge angeworfen. Was sich hinter den Türen und Fenstern verbirgt lässt sich schon vermuten, eine eingerichtete elektromechanische Werkstatt.

Hinweis: zur Ermittlung der Gehrungsschnittwinkel beim Glasdach hab ich mir Probestreifen aus Pappe gemacht.

                                                                                                        

 

Da sieht man die ausgetauschten Fenster an Stelle der Gebläse. Macht wohl mehr Sinn.

 

             

 

Der Lokschuppen ist nun gut 30 Jahre alt, immer noch Spitzenklasse! Er hat nur neue Tore bekommen. Die drücken die Tore nämlich immer mit der Lok auf, diese Schlawiner. Die Lichtbänder sind ebenfalls neu.

Die 120 001-3 da drin ist übrigens eine richtige Vorserienlok: Drehstrom - Versuchslok, Rekordlok, Vorzeigelok. Sie wurde als Bahndienstfahrzeug auf 752 001 umgezeichnet, ich war noch selbst an der Ausrüstung für diese Lok bei der AEG-Bahntechnik beteiligt. Die 103 113-7 hat hier noch die vorübergehenden Scherenstromabnehmer, jetzt hat sie die Serienausrüstung mit Einholmern.

 

                                                  

                                                                         Foto: Neuheitenbroschüre  Märklin® 1980

Die 120 001-1, sie schrieb leider traurige Geschichte: sie ist am 21.4.2004 bei Geislingen/Steige im Verlauf einer Meßfahrt hinter Süßen mit einem Todesopfer verunglückt und danach verschrottet worden. Der Grund war eine durch Verdrahtungsfehler im Stellwerk verursachte Falschfahrt des Gegenzuges. Die Ausfahrtsweiche stand auf abweisend trotz angezeigter Geradeausfahrt. Sie ist mit ca. 80 km/h frontal in einen Triebwagenzug 426 gekracht. Der hatte keine Chance.

 

Wer’s noch nicht entdeckt hat: es ist auf dieser Anlage ein Modell der einzigen, nie in Serie gegangenen V 320 der DB zu finden, die vorwiegend bei uns auf der Allgäubahn zwischen München und Lindau schwere Tank- und Schnellzüge befördert hatte. Sie wurde 1968 dem BW Kempten zugeordnet. Die Lok war vom Hersteller Henschel lediglich gemietet. Das Modell ist von Rivarossi®.

 

 

                              

 

Baujahr 1978 etwa. Das wohl auch einzigste Modell der 232 dieser Firma mit richtigen Griffstangen und fahrtrichtungsabhängigem Lichtwechsel  ws/rt. Die Kupplungen wurden nochmals gekürzt, siehe Füssener Modellbaublätter 5/07

 

 

Das Original:   während einer Meßfahrt 1963 Halt in Ulm Hbf auf Gleis 3 in Richtung München.

 

                                     

                                                                                                                             Foto: Donau-Zeitung Ulm

 

So, der Rundgang ist beendet, nun steht uns eine deftige Brotzeit zu. Wir sollten mal die Speisekarte der Kantine im AW austesten, der Krustenbraten soll ein Knüller sein. Der Mittelbau des AW, also die Kantine und die Büroräume haben eine neue Lichttechnik bekommen. Ähnlich wie im Vorbild gab es eine Kombination von Quecksilber- und Natiumhochdrucklampen - Nachbildungen. Das fiel deutlich preiswerter aus als die LEDs von Yoldal, obwohl wegen der wesentlich geringeren Leuchtkraft mehr SMD - LEDs eingesetzt werden mussten. Alle 2 cm ein Paar, ws und ge. Und dies wechselseitig. So wurde sowohl der Blaustich wie auch das einzeln unpassende Gelb überlistet.

Die beiden Jungs auf dem Bahnsteig sind Jugendfreunde von mir, der links hilft jetzt ein wenig bei den Füssener Modellbaublättern mit. Er wohnt nahe bei Faller®, in Furtwangen. Ich glaub die beiden hatten damals extra wegen der Lok ein bisschen die Schule geschwänzt.

Also, tschüs bis zum nächsten Mal, dann im Baumarkt.

 

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